Die Up and Down’s der WM in Estland

Nach der hart erkämpften Bronzemedaille in der Sprintstaffel folgte die Ernüchterung im Wald mit dem 8. Rang in der Langdistanz und den 14. Rang über die Mitteldistanz. Mit einer guten Schlussstrecke im abschliessenden Staffelrennen, in welchem ich unser Team vom 7. auf den 4. Rang brachte, gelang es mir doch, eine ansprechende Leistung im Wald zu zeigen und die WM versöhnlich abzuschliessen!

Die Weltmeisterschaft in Estland hätte mit der Bronzenmedaille in der Sprintstaffel nicht besser starten können!
Bronzemedaille in der Sprintstaffel mit Elena Roos, Florian Howald und Martin Hubmann v.l. Bronzemedaille in der Sprintstaffel mit Elena Roos, Florian Howald und Martin Hubmann v.l.
Nachdem ich auf der Leinwand kurz vor meinem Start den Fehler meines Vorläufers (Martin Hubmann) mitverfolgen konnte, wusste ich, dass noch vieles möglich war und es gab mir zusätzlich die Bestätigung, dass ich «einfach nur» gut OL machen musste… Die ersten Posten in den Burgruinen von Viljandi erwischte ich optimal, so war meine Aufholjagt lanciert, dass ich aber noch bis auf den 3. Rang laufen konnte, glaubte ich erst im Ziel so richtig, als mich mein Staffelteam erwartete.
Zieleinlauf Sprintstaffel Zieleinlauf Sprintstaffel

Das langersehnte Langdistanzrennen, wo ich mindestens um ein Diplom kämpfen wollte, begann vielversprechend. Beim 4. Posten lag ich sogar noch auf Medaillenkurs, doch dann begannen die Unsicherheiten.
Meine Entscheidung, auf der Route zum 5. Posten über die Wiese zu schneiden, war ein Kapital-Fehler, neben dem Zeitverlust von einer Minute verlor ich im bauchhohen Gras auch noch viel Energie.
Schlechte Routenwahl von Posten 4 zu Posten 5 Schlechte Routenwahl von Posten 4 zu Posten 5

Fortan hatte ich v.a. bei längeren Abschnitten Mühe, eine gute Linie zu finden und diese mit Zug umzusetzen. So kamen weitere Minuten dazu und im Ziel reichte es «nur» für einen 8. Rang, das Diplom lag 31 Sekunden vor mir… Die Enttäuschung über den 8. Platz war nach 88 Minuten Kampf im estnischen Tschungel dementsprechend gross.

Die Vorfreude auf die Mitteldistanz in Vitipalu war nach der Langdistanz umso grösser. An der Physis lag es nicht, ich hatte mich von dem «Long» sehr gut erholt, doch dies spielte in diesem sehr schwierigen wirklich weltmeisterschaftswürdigen Gelände keine Rolle, hier galt es viel mehr, die Technik unter Kontrolle zu halten. Erneut gelang mir ein guter Start, doch bei Posten 6 schlich sich der erste Fehler ein und fortan hatte ich nicht die nötige Ruhe, genügend Zeit in das Kartenlesen zu investieren…
Ein paar «Böglein» zuviel! Ein paar «Böglein» zuviel!
Meine Beine rannten schneller als der Kopf Kartelesen konnte und so summierten sich die Fehler. Der 14. Schlussrang war enttäuschend, doch das Orientieren in diesem absolut genialen Gelände war pure Freude:-)… Die Begeisterung für das Staffelrennen am nächsten Tag im gleichen Gelände war dementsprechend hoch. Die Wartezeit in der Quarantäne, welche sich am Rande der Arena befand, zog sich hin. Via Speaker konnten ich das Männerrennen und den Start des Frauenrennens mitverfolgen. Elena Roos übergab an 6. Stelle an Julia Gross, welche mich auf Rang 7 endlich in den Wald schickte.

Kartenübergabe von Julia Gross an mich. Kartenübergabe von Julia Gross an mich.

In diesem Rennen fand ich nun die richtige Mischung aus hohem Speed und der nötigen Ruhe zum Kartenlesen. So konnte ich unser Team noch auf den 4. Schlussrang bringen und den Zuschauern einen Sprint-Zieleinlauf bieten;-)… Video vom Zieleinlauf
Die WM brachte also doch noch ein versöhnliches Ende mit dem angestrebten Staffeldiplom. Danke meinen Staffelkolleginnen Elena und Julia, es war kein einfaches Unterfangen, ohne die Erfahrungen der Mitteldistanz in diesem sehr anspruchsvollen Gelände die Posten sauber anzulaufen. Es fühlte sich teilweise fast wie Nacht-OL an, wenn du 50 Meter zuvor noch genau gewusst hattest, wo du bist, konnte es 50 Meter später ganz anders aussehen. In dem unübersichtlichen Grün sind die Geländeformen schwer zu erkennen und wenn man nicht präzise auf jedem Hügel/Senke mit der Richtung arbeitete, konnte man schnell verloren gehen…


An dieser Stelle danke ich unseren Trainern (Vroni, Pädi, Andrea und François) dem Physio und dem Arzt (Manu und André), ganz herzlich für ihre riesige Arbeit und ihren unermüdlichen Einsatz auch schon während der ganzen Vorbereitungszeit. Ihr habt mir ein professionelles Umfeld ermöglicht und die bestmöglichen Bedingungen geschaffen!!!

Aber auch den Fans aus der Schweiz, die uns in allen Rennen lautstark unterstützten, gilt ein ganz herzlicher Dank!!! Die Anfeuerungen in den Zuschauerpassagen und die Anerkennung der Leistungen halfen mit, die Motivation hoch zu halten.

Zuschauer und Fans an der Sprintstaffel Zuschauer und Fans an der Sprintstaffel

Und nicht zuletzt möchte ich meinen Sponsoren: Probst Belp, Sabe Fanclub, Sporthilfe, die Mobiliar Generalagentur Belp, s-sport, Beatrice Aeschlimann (für die vielen Massagen), Sponser Sportfood, der ol norska sowie meinem Arbeitgeber OCAD AG herzlich für die Unterstützung danken, die es mir ermöglicht, den OL-Sport professionell zu betreiben.

Estland mit seinen Wäldern und Weiten war eine herausfordernde Erfahrung, nun lockt nächstes Jahr Lettland und die Erwartung auf ein Einzelrennen-Diplom bleibt bestehen. Baltikum, ich komme wieder!

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